Kompass Nachhaltigkeit

Öffentliche Beschaffung

Teppiche

CPV-Code
39531000-3

Leistungsbeschreibung in der Praxis

In den folgenden Angaben werden soziale und ökologische Kriterien vorgeschlagen, die Sie in Ihre Vergabeunterlagen aufnehmen können. Es wird angegeben, wie Sie diese Kriterien einsetzen können. Dabei wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen Ihres Bundeslandes berücksichtigt. Es werden nur Kriterien genannt, zu denen uns Anbieter bekannt sind, die diese erfüllen können.

Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass es sich bei diesen Angaben um Hinweise handelt, wie Sie einen nachhaltigen Beschaffungsprozess ausrichten können. Wir bemühen uns um möglichst große Aktualität und erstellen die Angaben nach bestem Wissen. Dennoch sind die die Angaben verwendenden kommunalen Stellen selbst verantwortlich für eine rechtssichere Vergabe.

  • Welche Kriterien kann ich in Berlin für dieses Produkt setzen?

    • Soziale Kriterien

      Soziale Kriterien im Bereich Faire Beschaffung

      Bei ober- und unterschwelligen Vergaben möglich:

      Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen
      Das Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetz verpflichtet Sie ab einem Auftragswert von 10.000€ darauf hinzuwirken, dass keine Waren Gegenstand der Leistung sind, die unter Missachtung der ILO-Kernarbeitsnormen hergestellt wurden. Sicherlich können Sie auch unterhalb dieses Auftragswertes auf eine Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen achten:

      In der Beschaffung von Teppichen können Sie demnach in den Bedingungen zur Auftragsausführung verlangen

      Textbaustein 1:

      „(…), dass die Herstellung bzw. Bearbeitung der Teppiche im Herstellungsschritt des Knüpfens der Teppiche unter Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen erfolgt ist, die sich nach folgenden Kriterien darstellen:

      • Übereinkommen Nr. 29 über Zwangs- oder Pflichtarbeit vom 28. Juni 1930 (BGBl. 1956 II S. 641) und Übereinkommen Nr. 105 über die Abschaffung der Zwangsarbeit vom 25. Juni 1957 (BGBl. 1959 II S. 442): Zwangs- und Pflichtarbeit ist vollständig unzulässig zum Vorteil Privater oder als politische Diskriminierung, für Zwecke der wirtschaftlichen Entwicklung, zur Sicherung der Arbeitsdisziplin oder der Sanktionierung der Streikteilnahme und als Maßnahme rassistischer, sozialer, nationaler oder religiöser Diskriminierung. Ist sie zulässig, so gilt der Grundsatz der arbeitsäquivalenten Vergütung.
      • Übereinkommen Nr. 87 vom 9. Juli 1948 (BGBl. 1956 II S. 2073) über die Vereinigungsfreiheit und den Schutz des Vereinigungsrechtes und das Übereinkommen Nr. 98 über die Anwendung der Grundsätze des Vereinigungsrechtes und des Rechtes zu Kollektivverhandlungen vom 1. Juli 1949 (BGBl. 1955 II S.1123): Es muss eine Freiheit der Bildung von Vereinigungen der Arbeitgeber und –nehmer vorliegen, es muss einen wirksamen Schutz vor Benachteiligung wegen Gewerkschaftszugehörigkeit oder gewerkschaftlicher Betätigung vorliegen.
      • Übereinkommen Nr. 100 über die Gleichheit des Entgelts männlicher und weiblicher Arbeitskräfte für gleichwertige Arbeit vom 29. Juni 1951 (BGBl. 1956 II S. 24): männliche und weibliche Arbeitskräfte müssen bei gleicher Arbeit gleiches Entgelt erhalten.
      • Übereinkommen Nr. 111 über die Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf vom 25. Juni 1958 (BGBl. 1961 II S. 98): Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfen keine Benachteiligung oder Bevorzugung aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Glaubensbekenntnis, der politischen Meinung, der nationalen Abstammung oder der sozialen Herkunft erfahren. Es darf darüber hinaus keine die Gleichheit der Chancen oder der Behandlung beeinträchtigende andere Ungleichbehandlung auftreten, sofern dies vom jeweiligen Staat der Produktionsstätte festgelegt wurde.
      • Übereinkommen Nr. 138 über das Mindestalter für die Zulassung zur Beschäftigung vom 26. Juni 1973 (BGBl. 1976 II S. 202) und Übereinkommen Nr. 182 über das Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit vom 17. Juni 1999 (BGBl. 2001 II S.1291): Ausbeuterischer Kinderarbeit darf nicht durchgeführt werden, es sind die im Übereinkommen genannten Mindestaltersgrenzen von Personen unter 18 Jahren einzuhalten. Für Personen unter 18 Jahren sind die schlimmsten Formen der Kinderarbeit verboten: Sklaverei und sklavenähnliche Praktiken, Prostitution und Pornografie, unerlaubte Tätigkeiten, schädliche Arbeiten.“

      Der Bieter ist in den Vergabeunterlagen darüber zu informieren, dass die Einhaltung dieser Regelung bei Auftragserteilung Vertragsbestandteil wird. Der Bieter sollte vorab in einer Erklärung versichern, dass er sich bei Erreichen des Angebotes an diese Vertragsbedingungen hält. Im Folgenden machen wir einen Vorschlag für diese Erklärung (Textbausteine 2-3):

      Textbaustein 2

      „Hiermit erklären wir, dass"

      [Einsatz Textbaustein 1]

      Sie sollten zunächst prüfen, ob die Bieter, die Teppiche nachweislich unter Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen herstellen, die Art von Teppichen liefern können, die Sie beschaffen möchten (siehe unten stehende Beispielunternehmen). Welche Nachweise geeignet sind, listen wir Ihnen im jeweiligen Textbaustein mit auf. Finden Sie ausreichend Bieter, schlagen wir vor, die Eigenerklärung folgendermaßen fortzusetzen:

      Textbaustein 3

      „Ich/Wir sichere/n dies zu, indem wir eine wie folgt beschriebene Zertifizierung oder einen aufzuführenden gleichwertigen Nachweis erbringen:

      (Name des Siegels/Nachweises, vom Bieter auszufüllen)

      (mögliche Nachweise, die erbracht werden können: Zertifikat GoodWeave International (GWI), Zertifikat STEP (der Max Havelaar-Stiftung) - oder gleichwertig mit Bezug auf die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen]“

      Können Sie keine Bieter ausmachen, die das gewünschte Teppichprodukt nachweislich ohne ausbeuterische Kinderarbeit herstellen können, lassen Sie den Textbaustein 3 weg und/oder verlangen Sie einen Maßnahmenbericht zur Verbesserung der Arbeitssituation der Produzentinnen und Produzenten.

      Die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen sind dann als ergänzende Vertragsbedingungen zur Auftragsausführung aufzunehmen, siehe die gesetzlichen Regelungen unter Rahmenbedingungen.

    • Ökologische Kriterien

      Bei ober- und unterschwelligen Vergaben möglich:

      Das Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetz verpflichtet Sie ab einem Auftragswert von 10.000€ auf die Einhaltung bestimmter ökologischer Kriterien, die in Leistungsblättern genau spezifiziert sind. Sie können auch unterhalb dieses Auftragswertes auf eine Einhaltung ökologischer Kriterien achten:

      In der Beschaffung von Teppichen sollten Sie demnach in der Formulierung der Leistungsbeschreibung und technischer Kriterien auf die im Leistungsblatt „Heimtextilien“ beschriebenen ökologische (Mindest-) Kriterien achten:

      Textbaustein - Mindestanforderungen (verwendet wurden Zitate aus dem Leistungsblatt)

      „Mindestens 85% Gewichtsprozente aller im Erzeugnis enthaltener Fasern müssen den folgenden, für die betreffenden Fasern festgelegten Kriterien entsprechen. Andere Fasern, für die keine faserspezifischen Kriterien festgelegt wurden, sind ebenfalls zulässig (mit Ausnahme von Mineralfasern, Glasfasern, Metallfasern, Kohlenstofffasern und anderen anorganischen Fasern).“

      Da es sich um zahlreiche Kriterien handelt, entnehmen Sie diese bitte aus dem entsprechenden Leistungsblatt. Sie müssen die Kriterien einzeln in Ihrer Leistungsbeschreibung aufzählen. Stellen Sie folgende Anforderungen an den Bieter:

      „Der Bieter muss eine Liste aller Fasern, die mehr als 5% des Gesamtgewichts der in dem Produkt enthaltenen Textilfasern ausmachen, und dazu Unterlagen vorlegen, aus denen hervorgeht, dass die entsprechenden Kriterien erfüllt sind. Wenn ein Textilprodukt das EU-Umweltzeichen, ein bluesign-Zertifikat (bluesign® product) oder das Umweltzeichen „Blauer Engel“ (RAL-UZ-154) trägt, wird angenommen, dass es den Anforderungen entspricht. Andere privatrechtliche oder staatliche Textilzertifikate können ebenfalls akzeptiert werden. Jeder andere geeignete Nachweis über die Einhaltung der Kriterien (z.B. das technische Dossier des Herstellers oder der Testbericht einer anerkannten Prüfstelle) wird als gleichwertig angesehen.“

      Laut Leistungsblatt dürfen Sie zusätzlich zu den oben genannten Mindestanforderrungen weitere, konkret genannte ökologische Kriterien als Zuschlagskriterium gewichten. Informieren Sie sich vorher, ob es ausreichend Bieter gibt, die Ihnen die gewünschte Ware zu den genannten Kriterien zur Verfügung stellen können und wählen Sie ggf. nur einige der Kriterien aus. Im Folgenden erhalten Sie ein Beispiel für den Einsatz von Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau:

      Ausschreibungsbaustein: Wertungskriterien

      Am einfachsten kommen Sie an biologisch hochwertige Textilien, wenn Sie den Einsatz von Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) fordern, die der Umwelt-Verordnung (EG) Nr. 834/2007 entsprechen und diesen Einsatz in den Wertungskriterien entsprechend gewichten. Der Preis sollte bei einer Ausschreibung mindestens 30% Gewichtung finden, das heißt Sie können diese Kriterien um bis zu 70% geltend machen. Aufgrund unterschiedlicher Zertifizierungsmöglichkeiten bietet es sich innerhalb des Wertungskriteriums an, folgende Abstufungen vorzunehmen und unterschiedlich zu werten:

      Erfolgsstufe 1: verwendet werden 70%-84% Baumwollfasern aus kbA
      Erfolgsstufe 2: verwendet werden 85%-94% Baumwollfasern aus kbA
      Erfolgsstufe 3: verwendet werden 95%-99% Baumwollfasern aus kbA
      Erfolgsstufe 4: verwendet werden 100% Baumwollfasern aus kbA

      Um eine Bewertung vornehmen zu können, geben Sie diese Wertungskriterien bekannt und fordern Sie den Bieter auf, den Gewichtsanteil der Baumwollfasern aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) im Endprodukt anzugeben und die entsprechende Zertifizierung oder einen gleichwertigen Nachweis vorzuweisen. Zertifizierungen, die Sie akzeptieren können, sind beispielsweise der Global Organic Textile Standard, das Umweltzeichen Blauer Engel (RAL-ZU-154), oder Naturtextil IVN Zertifizierung BEST.

      Achtung! Es gibt eine Schnittmenge zu den sozialen Kriterien:
      Eine Zertifizierung nach dem Global Organic Textile Standard und/oder Naturtextil IVN zertifiziert BEST weist gleichzeitig die Einhaltung von ILO-Kernarbeitsnormen im Produktionsschritt der Konfektionierung nach.

  • Welche Kriterien haben Kommunen in Berlin bereits verwendet?

    Bisher haben wir leider noch keine konkreten Beispiele aus Berlin.

    Sie möchten uns ein Beispiel nennen? Dann wenden Sie sich an uns.

Wer kennt sich mit diesem Produkt besonders gut aus?

Leider haben wir noch keine Expertinnen und Experten für Sie gefunden.

Vielleicht können wir Ihnen weiterhelfen? Dann melden Sie sich bei uns.

Gibt es Anbieter für dieses Produkt, die Ihre Ansprüche an Nachhaltigkeitsstandards erfüllen können?

Gleichen Sie ab, welche Gütezeichen Ihre Ausschreibungskriterien nachweisen und sehen Sie nach, ob es ausreichend Anbieter gibt, die diese erfüllen. Die zugrundeliegenden Kriterien im sozialen und ökologischen Bereich können von Gütezeichen zu Gütezeichen sehr unterschiedlich sein. Nutzen Sie für den Abgleich den Gütezeichen-Finder und den Vergleich der Gütezeichen im Kompass Nachhaltigkeit – diese Angebote befinden sich jedoch aktuell noch im Aufbau und sind daher noch nicht für alle Produktgruppen verfügbar. Beachten Sie, dass Sie bezüglich Ihres spezifischen Vergabeverfahrens vor Veröffentlichung der Ausschreibung nicht mit möglichen Anbietern in Kontakt treten sollten. Dennoch sollten Sie sich allgemein informieren, ob Ihre Anforderungen erfüllt werden können.

Die untenstehende Auflistung von Firmen ist keine vollständige Übersicht, sie dient nur für einen ersten Überblick und beruht auf Angaben der Unternehmen. Bitte prüfen Sie selbst, ob das Unternehmen das von Ihnen gewünschte Produkt aktuell auch mit einem von Ihnen akzeptierten Gütezeichen anbieten kann.

Firma
Ansprechpartner
Gütezeichen für dieses Produkt
Babette Permantier
Telefon: 0049 241 99036387, Email: info@lotuscollection.com
Mareike Lienau
Telefon: 0049 30 32 51 54 41, Email: m.lienau@lyk-carpet.de
Alexander Dill
Telefon: 0049 9369 905 100, Email: a.dill@memo.de

Wie integriere ich Nachhaltigkeit in meinen Beschaffungsprozess?

Nachhaltige Beschaffung kann Ihnen helfen, Ihren Einkauf kostensparend, lösungsorientiert und energie- sowie ressourceneffizient zu gestalten.

Wie funktionieren Nachhaltigkeitsstandards?

Nachhaltigkeitsstandards legen soziale und ökologische Praktiken fest, die über gesetzliche Mindestanforderungen hinausgehen.